Die Durchführung der Radfahrausbildung in den vierten Grundschulklassen des Stadt- und Landkreises Heilbronn ist eine der Hauptaufgaben der Kreisverkehrswacht Heilbronn. Während die Polizeidirektion Heilbronn hierfür entsprechend ausgebildete Polizeibeamte stellt, schafft die Kreisverkehrswacht gemeinsam mit dem Landkreis und der Stadt Heilbronn die erforderlichen finanziellen und materiellen Voraussetzungen.

Auf dem Verkehrsübungsgelände am Wartberg steht eine entsprechend großzügig ausgebaute stationäre Jugendverkehrsschule zur Verfügung. Drei speziell ausgebaute Lkws dienen zusätzlich als mobile Jugendverkehrsschulen für die Betreuung der Schüler im Landkreis Heilbronn.


Auszug aus der Verwaltungsvorschrift zur Radfahrausbildung
vom 10. September 2001 - Az.: 3-1132.2/28 (IM) und Az.: 63 - zu 6520.1-121/203 (KM)

Allgemeines

Die in Baden-Württemberg bestehenden stationären und mobilen Jugendverkehrschulen dienen der Schulung von Verhaltensweisen, die für Kinder als Fußgänger und Radfahrer wichtig sind. Insbesondere eignen sich die Jugendverkehrsschulen zur Vorbereitung auf die fahrpraktische Lernzielkontrolle (Radfahrprüfung) entsprechend den Lehrplänen.

Im Rahmen der schulischen Verkehrserziehung in Grundschulen und Sonderschulen erfolgen Übungen und Lernzielkontrollen in den Jugendverkehrsschulen nach dem gemeinsamen Programm Radfahren in der Schule der Deutschen Verkehrswacht und des Jugendwerks der Deutschen Shell sowie den landeseigenen Anregungen zur Verkehrserziehung für die Grundschule, Klasse 3 / 4. Sie sind verpflichtende schulische Veranstaltungen.

Ziele

Die heutige Verkehrssituation erfordert vom jugendlichen Radfahrer mehr denn je, dass er sich im Straßenverkehr sicher bewegt und die vielfältig auftretenden, komplexen und teilweise gefährlichen Problem- und Konfliktsituationen bewältigt. Die Radfahrausbildung muss diesen Anforderungen Rechnung tragen. Vorrangiges Ziel muss es sein, den jungen Verkehrsteilnehmer in die Lage zu versetzen, die im Schonraum erlernten Kenntnisse und Fertigkeiten in der Verkehrsrealität sachgerecht umzusetzen.

Durchführung

Der Verkehrsunterricht in der Schule und die Übungen in der Jugendverkehrsschule sind aufeinander abzustimmen. Eine erfolgreiche Arbeit in den Jugendverkehrsschulen erfordert neben einer schulischen Vorbereitung einen fünfmaligen Besuch der Jugendverkehrsschule von je zweistündiger Dauer. Die Besuche sollten in einem überschaubaren zeitlichen Zusammenhang erfolgen. Die praktischen Übungen werden durch besonders geschulte Polizeibeamte in Anwesenheit und unter Mitwirkung der jeweiligen Lehrerinnen und Lehrer geleitet. Die aktive Beteiligung der Eltern ist wünschenswert.

Der öffentliche Verkehrsraum ist in die praktischen Übungen unter Beachtung der Rahmenbedingungen in der Regel einzubeziehen.

Bei den fahrpraktischen Übungen tragen alle Rad fahrenden Beteiligten einen Radfahrhelm.

Die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten sind von der Polizei und der Schule in einem gemeinsamen Elternbrief mit Rückbestätigung über die Radfahrausbildung und insbesondere über die Übungen im öffentlichen Verkehrsraum in Kenntnis zu setzen sowie über den Versicherungsschutz zu informieren.

Rahmenbedingungen für die Durchführung der Radfahrausbildung
im öffentlichen Verkehrsraum

Die Radfahrausbildung im öffentlichen Verkehrsraum setzt das Einverständnis der Eltern voraus. Sie erfolgt innerorts und zweckmäßigerweise im Schul- bzw. Wohnumfeld der Schüler oder in einem übersichtlichen, verkehrsarmen Gebiet. Die Übungsstrecken sind von der Polizei unter dem Gesichtspunkt der Risikobegren-zung auszuwählen. Verkehrsräume mit hoher Verkehrsfrequenz eignen sich hierzu nicht. Diese Übungseinheiten sind sehr sorgfältig vorzubereiten.

Disziplin und Leistungsvermögen des Klassenverbandes müssen eine geordnete Schulung im öffentlichen Verkehrsraum nach der einvernehmlichen Entscheidung des Lehrers und der ausbildenden Polizeibeamten möglich erscheinen lassen.

Die Ausbildung im öffentlichen Verkehrsraum erfolgt frühestens ab dem dritten Übungsabschnitt. Die Schüler müssen das Fahrrad sicher beherrschen.

Pädagogisch wertvoll und organisatorisch unerlässlich ist die aktive Beteiligung der Eltern bzw. Erziehungsberechtigten bei den Übungen im öffentlichen Verkehrsraum. Es ist davon auszugehen, dass für eine geordnete Durchführung mindestens drei Elternteile/Erziehungsberechtigte erforderlich sind. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Gruppe während der Übungsfahrt nach hinten abzusichern und die Aufmerksamkeit der Schüler auf die Ausbildungsperson zu lenken. Hierzu erfolgt eine besondere Einweisung durch die Polizei.

Die Fahrräder müssen den verkehrsrechtlichen Bestimmungen entsprechen.

Versicherungsschutz

Beteiligte Eltern und Erziehungsberechtigte genießen den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Für Lehrer und Polizeibeamte gelten die beamtenrechtlichen Unfallfürsorgevorschriften.

Eltern und Erziehungsberechtigte handeln als Hilfskräfte zur Durchführung der Radfahrausbildung hoheitlich. Für Schäden zum Nachteil Dritter haftet das Land wie bei Lehrern und Polizeibeamten nach den Grundsätzen des Amtshaftungsrechts. Bei der Haftung gegenüber dem Land sind Eltern und Erziehungsberechtigte den Lehrern und Polizeibeamten gleichgestellt.

Die am Radfahrunterricht teilnehmenden Schüler sind - unabhängig vom Ort der Ausbildung - kraft Gesetzes unfallversichert.

Nicht abgedeckt sind die von Schülern vorsätzlich oder fahrlässig verursachten Schäden gegenüber Dritten. Hier haftet der Schüler, sofern er bei der Begehung der schädigenden Handlung die zur Erkenntnis der Verantwortlichkeit erforderliche Einsicht hat. Deshalb wird der Abschluss der freiwilligen Schüler-Zusatzver-sicherung empfohlen. Diese Versicherung deckt auch bestimmte Sachschäden (z.B. Brille, Kleidung) der Schüler in begrenzter Höhe ab und bietet Haftpflichtversicherungsschutz entsprechend den gültigen Allgemeinen Haftpflichtbedingungen, jedoch nur insoweit, als kein anderweitiger Haftpflichtversicherungsschutz gegeben ist.


Ein verkehrssicheres Fahrrad mit funktionierenden Bremsen und Beleuchtungseinrichtung gemäß der StVZO (Straßenverkehrs-Zulassungsordung) ist zur Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr zwingende Voraussetzung.